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Veranstaltung zum Weltdiabetestag am 14.11.2017

 

Wer muss Diabetes können?

Über 400 Besucherinnen und Besucher bei der Veranstaltung der ADBW und der DBW zum Weltdiabetestag in Stuttgart „Die Landesregierung stellt sich der Verantwortung die bestmögliche Versorgung für Diabetikerinnen und Diabetiker sicher zu stellen. Wir wollen landesweite Versorgungsstrukturen, die aufeinander abgestimmt sind“, sagt Sozialminister Manne Lucha bei der zentralen Veranstaltung für Baden-Württemberg zum Weltdiabetestag.

 „Wer kann Diabetes?“ Oder besser: „Wer muss Diabetes können?“:
Mit dieser Frage ist das Programm, das im Stuttgarter Rathaus präsentiert wird, überschrieben.
Ein Thema, mit dem die Veranstalter, die Arbeitsgemeinschaft Diabetologie Baden-Württemberg (ADBW) und die DBW – Diabetiker Baden-Württemberg, offensichtlich genau den Kern getroffen haben.Denn die über 400 Besucherinnen und Besucher verfolgen die Referate und die abschließende Podiumsdiskussion unter Leitung von Professor Dr. Jochen Seufert, Vorstand ADBW, mit großem Interesse. „Vor allem müssen die Betroffenen Diabetes können. Allerdings haben alle mit dem Thema Diabetes betrauten Institutionen, einschließlich der politischen Entscheidungsträger, die gesellschaftliche Verantwortung, bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen“, so das Eingangsstatement von Dr. Alexander Hemmann, Vorstand DBW.

Im Verlauf der Veranstaltung wird deutlich, dass diese Rahmenbedingungen in unterschiedlichen Bereichen verbesserungswürdig sind. Zwischen 25 und 30 Prozent der stationären Patientinnen und Patienten seien an Diabetes erkrankt. Während ihres Krankenhausaufenthaltes benötigten nicht alle Patienten eine hochspezialisierte Diabetes-Behandlung, aber eine DiabetesKompetenz sollte schon vorhanden sein. „Es haben aber nur circa 15 Prozent der deutschen Krankenhäuser diese Diabetes-Expertise“, so Professor Dr. Monika Kellerer. Damit thematisiert die Chefärztin des Marienhospitals Stuttgart einen zentralen Aspekt der Diskussion:
Wie werden die Betroffenen (in den Krankenhäusern) versorgt? Wie fühlen sie sich versorgt?

Defizite sieht Heike Steck, Jugendreferentin beim DBW, in der ambulanten und stationären Betreuung von Kindern und Jugendlichen, die an Diabetes erkrankt sind. „Uns ist wichtig, dass die Kinderärzte so gut ausgebildet sind, dass sie den Diabetes frühzeitig erkennen. Zudem brauchen Familien mehr Unterstützung, vor allem im ersten Jahr nach Manifestation des Diabetes.“
In der Kinderdiabetologie herrsche ein eklatanter Nachwuchsmangel, was aus Sicht von Professor Dr. Reinhard Holl, Vorstand ADBW, auch daran liege, dass einige ausgebildete Kinderdiabetologen später nicht in diesem Fachbereich arbeiteten. Grundsätzlich bestehe Nachwuchsmangel bei den Ärzten, verdeutlicht Dr. Ulrich Clever, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Nach wie vor klaffe eine große Lücke zwischen der Zahl der Ärzte, die jährlich ihre Facharztprüfung ablegten, und der Zahl der Ärzte, die altersbedingt aus dem Berufsleben ausschieden.

Anne-Marie Schnäbele, Vorstand ADBW, weitet das Thema auf den Bereich der Pflege aus. Auch beim Pflegepersonal müsse in der Aus- und Weiterbildung die diabetologische Kompetenz gestärkt werden.
Die Versorgung von Diabetikerinnen und Diabetikern sei in der Fläche verbesserungswürdig, räumt Sozialminister Manne Lucha ein. Allerdings lautet sein Grundsatz: Am richtigen Ort, die richtige Versorgung. Lobenswert ist, aus seiner Sicht, die Arbeit des Fachbeirats Diabetes Baden-Württemberg. 2015 ist von diesem der Maßnahmenplan „Diabetes mellitus Typ 2 und Schwangerschaftsdiabetes“ zur Umsetzung des Gesundheitsziels „Diabetes mellitus Typ 2 Risiko senken und Folgen reduzieren“ verabschiedet worden.

Für die ADBW zieht Dr. Wolfgang Stütz deshalb eine positive Bilanz: „Der Fachbeirat bringt Politik und Verwaltung nahe an die Realität der Diabetikerversorgung. Im Ministerium ist das Bewusstsein für das Problem Diabetes gewachsen“.
Nichts desto trotz formuliert Dr. Alexander Hemmann eine klare Forderung an die Politik: „Bisher hat Deutschland keinen nationalen Diabetesplan. Wir alle müssen uns dafür einsetzen, dass ein solcher Diabetesplan aufgestellt wird, in dem Finanz- und Versorgungsstrukturen geregelt sind.“

Ina Rau (ira)
Fotos: Ina Rau (ira)